Deutschland = RFID-Land?
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Der Lateiner würde sagen: "Litterae non erubescunt". Doch da es hier um Deutschland geht, schreibe ich: "Papier ist geduldig", auch wenn mich die hier zitierte Studie in digitaler Form erreicht hat. Doch irgendwie beschleicht mich seit langem der Eindruck, dass insbesondere das Thema RFID einer der dankbarsten Bereiche für Prognosen, Einschätzungen, Meinungen und andere, die Geduld des jeweiligen Mediums strapazierenden, Texte ist. Vielleicht liegt das daran, dass sich die wenigsten Bürger unter dieser neue Technik etwas Konkretes vorstellen können. Doch neuerdings gibt es eine neue Einschätzung: TecChannel titelt einen Bericht mit: Deutschland bei RFID an der Pole-Position und schreibt weiter: acatech, der Konvent für Technikwissenschaften der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, weist auf die enormen wirtschaftlichen Chancen von RFID hin. Die Technologie stehe kurz vor dem Durchbruch. Deutschland habe eine gute Ausgangsposition, um sich in diesem Gebiet an die Weltspitze zu setzen.
Das wäre ja was, nachdem es bei der Fußball-WM "nur" zu Platz 3 gereicht hat. Doch halt! Zu früh gefreut: Denn um diese tolle Spitzenposition wirklich zu erarbeiten, sind jetzt erhöhte Anstrengungen notwendig. Die Stellungnahme enthält hierzu eine Reihe von konkreten Handlungsempfehlungen für Industrie, Wissenschaft und Politik., wie uni-protokolle.de schreibt.
Desweiteren werden weitere staatliche Initiativen zur Verbreitung der Technologie, wie zum Beispiel die Einführung des elektronischen Reisepasses, gefordert.
Voraussetzung für den Erfolg von RFID ist auch die Lösung von Datenschutzproblemen durch geeignete technische und rechtliche Lösungen. Um hier Ängsten vorzubeugen, sollte bei der Nutzung von RFID Transparenz herrschen. Experten können durch rasche und umfassend Aufklärung für ein besseres Ver-ständnis der Technik eine breite Akzeptanz sorgen. "Hier haben wir eine große Chance – denn bisher weiß in der Ã-ffentlichkeit kaum jemand etwas mit RFID anzufangen", so [Prof. Dr.-Ing.] Scholz-Reiter [Leiter des acatech Themennetzwerks Informations- und Kommunikationstechnologie].
Die Frage, inwieweit man überhaupt eine totale Erfassung der Privatssphäre durch RFID-Technologie haben möchte, wird hier mal dezent unter den Teppich gekehrt. Denn (so die optimistische Annahme), wenn Ottonormaldeutscher glaubt, dass Deutschland irgendwo Weltmeister werden kann, sind die Bedenken schnell vom Tisch.
Man kann hier nur hoffen, dass die Ã-ffentlichkeit, von der in der Studie gesprochen wird, auch wirklich umfassend über die Risiken von RFID informiert wird und nicht nur über eventuelle Vorteile für die damit befassten Konzerne.
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