Berlin: Big Brother is watching you?
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Stellen Sie sich vor, Sie besuchen eine Messe oder einen Kongress und am Ende des Tages sagt Ihnen einer der Veranstalter, wann und mit wem Sie gesprochen haben, mit wem Sie die Messe besucht haben und wo Sie sich wie lange aufgehalten haben.
Technisch ist dies eine Kleinigkeit, wie die Hacker des Chaos Computer Clubs (CCC) anlässlich ihres alljährlichen Kongresses bewiesen haben. Der Spiegel schreibt über das so genannte Chaos Positioning System:
"Wir können am Ende des Kongresses am Samstag zum Beispiel ermitteln, wer womöglich mit wem befreundet ist, weil er immer gemeinsam mit diesen Personen im Gebäude unterwegs war." Auch die typische Online-Shop-Funktion sei denkbar: Jedem Chipträger könne man mitteilen, welche anderen Gäste zufälligerweise genau dieselben Vorträge besucht hätte – das Kongressprogramm umfasst immerhin 130.
Technisch ist sogar noch weit mehr möglich. Die aktiven Funkchips können nicht nur Daten aussenden, sondern auch empfangen und sogar untereinander kommunizieren. "Wir könnten auf Knopfdruck die roten LEDs auf bestimmten Sputnik-Platinen blinken lassen", sagt Meriac [einer der Initiatoren des Projekts]. "Zum Beispiel: Zeige mir alle Leute im Raum, die auf dem Vortrag X waren." Auf eine solche Funktion wurde jedoch verzichtet, weil die Ortung Hunderter Chips allein schon anspruchsvoll genug ist.
Im Rahmen des Kongresses wurden neben diesem schon leicht gruseligen Modellversuch auch konkrete Beispiele möglicher Überwachungsszenarien geliefert. So fragt der Coburger Sicherheitsberater Manfred Fink Sind wir paranoid genug? und entwirft ein wahres James bond-Szenario. Auf heise.de geht es beispielsweise um Hotelzimmer. Diese
gehören laut Fink "zu den unsichersten Orten überhaupt", was die Vertraulichkeit von Kommunikation anbelangt. Sie böten Informationsbeschaffern ein leichtes Spiel. In einer fremden Umgebung sei der Aufwand groß, Abhörsicherheit herzustellen. Er riet davon ab, in Hotels Telekommunikationsanlagen ohne vertrauenswürdige Verschlüsselungstechniken zu benutzen und öffentliche WLAN-Netze in Anspruch zu nehmen. Generell sei es hilfreich, nicht alle Dinge bei einem Telefonat im Klartext zu benennen. Bei E-Mails sollten vertrauliche Informationen mit Hilfe der Steganographie im Datenwust etwa eines Bildanhangs versteckt werden. Dies habe zugleich den Vorteil, dass damit eventuell bestehende Kryptographieverbote umgangen werden könnten. Faxe sollten handschriftlich diagonal beschrieben werden, um die OCR-Scansoftware der Lauscher auszutricksen.
Nun kann man als Leser sicherlich die Achsel zucken und sich fragen: "Was geht mich das an?". Doch angesichts von RFID-ausgestatteten Personaldokumenten und dem Einzug der kleine Funkchips in immer mehr Lebensbereiche ist zumindest ein kritischer und aufmerksamer Geist geboten …
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